Mein Erstes Leben!

Hier eine Episode von „Mein Erstes Leben“, falls sie diese verpasst haben sollten!

 

 

 

Willkommen bei „Mein Erstes Leben“! Heute sehen sie Fred, ein 42 jähriger Elektroingenieur, der sich bei uns gemeldet hat, weil er in letzter Zeit sehr lebendige Träume von einer wunderschönen Sumpflandschaft in China hat. Erste Nachforschungen unseres Expertenteams legen den Schluss nahe, dass es sich um Panjin handelt. Doch um dieses Mysterium näher zu beleuchten, brauchen wir weitere, harte Fakten sowie eine genauere Ortsbeschreibung.

Unsere erfahrene Rückführungstherapeutin Leonie van der Kalb befragt Fred zu seinen Träumen und lässt ihn unter Hypnose alles noch einmal erleben.

Mit ruhiger Stimme wendet sie sich an Fred, um diesen zu befragen: „Fred, sagen sie uns: Wo befinden sie sich gerade?“

Auf der Liege der Rückführungstherapeutin liegend, antwortet Fred Liegenheim, die Lufthansa Samtschlafbrille über den Augen: „Ich befinde mich in einem Sumpfgebiet, ein Fluss mäandert nahe unserer Wohnstatt vorbei. Viele Gräser sind um mich herum und die Sonne scheint bereits untergegangen zu sein, denn es dringt nur wenig Licht zu mir. Zikaden kreischen um mich herum und ich verspüre einen leichten Hunger.“

Leonie van der Kalb macht sich Notizen und fragt weiter: „Und wie fühlen sie sich, Fred? Wie ist ihre Situation?“

Fred antwortet, an dieser Stelle etwas weinerlich: „Nun ja, die Situation, die uns hier her brachte war etwas verwirrend. Wir mussten unser Land verlassen und das Meer überqueren. Eigentlich stammt meine Familie aus Japan und der Weg ist sehr beschwerlich. Nicht alle aus der Familie haben es geschafft und nur Mutter, Schwester und ein Bruder haben es mit mir hier her geschafft.“

Seine Stimme hellt sich etwas auf: „Aber jetzt ist alles gut, wir sind zusammen und wir haben es überlebt. Ich bin sehr zufrieden.“

Leonie van der Kalb notiert auch dies, um sodann mit messerscharfen Fragen weitere Fakten zu Tage zu fördern: „Sagen sie Fred, welches Jahr ist es, können sie sich erinnern?“

Fred gerät an dieser Stelle etwas ins Grübeln: „Nun, es ist.. ich denke 1890 oder 1895.. Ende des 19ten Jahrhunderts, denke ich. Es ist, als habe Zeit keine richtige Bedeutung für mich momentan.“

Leonie van der Kalb wiegt den Kopf nachdenklich in ihrer Handfläche und berät sich anschließend mit dem Expertenteam. Es ist klar: Wir brauchen mehr Informationen, um Fred Liegenheims Geschichte, die er auf der Liege liegend erzählt hat, zu überprüfen. Unser Expertenteam reist also kurzentschlossen mit Fred nach Panjin.

Am Ort seiner Träume angekommen, fallen Fred weitere Fakten ein, aus heiterem Himmel scheint er sich an mehr und mehr seines früheren Lebens zu erinnern.

„Hier drüben, an der Flussbiegung, da haben wir gewohnt! Wir hatten eine Höhle!“

Und tatsächlich! Eine nähere, wissenschaftliche Untersuchung mit allerlei wichtigen Instrumenten fördert eine Höhle zu Tage, die sich genau an der Stelle befindet, die Fred beschrieben hat. Hätte er dies wirklich wissen können, wo er doch in seinem jetzigen Leben nie seinen Heimatort Badenbrüssel in Schleswig-Mecklenburg-Pommern verlassen hat?

Wir erkundigen uns bei einem Experten, Chao-Jin Wing, der mit seiner Frau, Lao-Tse Tao-Wing-Chun, schon lange die Sumpflandschaft von Panjin erforscht, ob denn in dieser kleinen Höhle jemals Menschen gelebt haben könnten.

Wing: „Natürlich es kann sein dass gelebt hat Familie von Menschen hier. Sumpf sehr alt und Boden weich, Höhle versunken vielleicht ein Stück. Aber nicht kann gewesen sein weiße Teufel, muss gewesen sein Aschia-te!“

Reporter: „Und wie könnte eine Familie hier überlebt haben? Gibt es denn genug Nahrung?“

Wing: „Viele Kraniche kommen hier. Schmecken wie Ente.“

Reporter: „Danke für ihre Hilfe, Herr Wing. Sie haben uns sehr viel weiter gebracht.“

Die Geschichte von Fred scheint sich zu bestätigen. Die Höhle, der Fluss. Doch erinnert er sich auch an Kraniche?

Leonie van der Kalb: „Wenn sie zurück denken, Fred. Erinnern sie sich dann an Kraniche? Hat ihre Familie diese vielleicht gejagt?“

Ein verklärter Blick tritt in Freds Augen: „Ja. Die Kraniche. Ich erinnere mich!“

Ihm entfährt ein Quaken und er hüpft in Richtung der Höhlenreste. Dabei schreit er panisch:
„Die Schnäbel! Diese riesigen Schnäbel! Sie haben meine Schwester geholt, als sie am Fluss baden war! Und nun sind sie hinter mir her! Quak! Quak!“

Es scheint, als sei Fred einem Herzinfarkt nahe, weswegen ihn Leonie van der Kalb mit einem vorher festgelegten Sicherheitswort zurück holt: „Simsalabim, Fred, Simsalabim!“

Fred Liegenheim erstarrt, verwirrt.

„Es ist wahr. Dies ist nicht mein erstes Leben! Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll, aber wie sollte ich sonst all diese Dinge wissen, über meine Familie, die Höhle… die … Kraniche…“
Fred bricht an dieser Stelle ab und weint unkontrolliert. Unser Expertenteam zieht sich zurück, um ihm seine Privatsphäre zu lassen.

„Also wirklich. Eine Kröte. Und dafür der Aufwand! Ich glaub es ja nicht. Wer hat das Burgfräulein beim Casting ausssortiert, verdammt? Das ist mir zuviel Realismus, Schnitt, aus, Ende! Das wird nicht gesendet, klar?“

„Ähm Boss… dies ist unsere Live-Sendung…“

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.