„Google darf nicht in meinen Garten schauen!“

Die Aufregung um Google Street View. Und warum sie vollkommen übertrieben und unnütz ist.

 

1. „Google sammelt Payload“: Worum geht es hier überhaupt? Nun, es werden Daten mitgeschnitten aus offenen WLAN Netzen. Das erfolgt, sofern das StreetView Auto nicht gerade an einer Ampel steht, wenige Sekunden. Was Sie in diesen wenigen Sekunden aus dem Internet abrufen oder an das Internet senden kann also mitgeschnitten werden. Die Zeitspanne wird zusätzlich durch den Kanalwechsel verkürzt, sofern Google nicht alle 11 Kanäle gleichzeitig mitschneiden kann. Also abgesehen davon, dass es sich zu 98% um nutzlosen Datenmüll handelt, lässt sich die Einsehbarkeit der Daten auch verhindern. Indem man die Betriebsanleitung seines Routers liest oder sich die 5min nimmt, um eine Verschlüsselung wie WPA2 und einen persönlichen Schlüssel festzulegen. Dann sieht man nur noch die Netzwerk-ID (bei welcher man eben NICHT den eigenen Namen nehmen muss) und den verschlüsselten Datenstrom. Da die Entschlüsselung eines Datenstrom (meines Wissens) noch über sich wiederholende Zeichenfolgen funktioniert, müsste Google schon eine Weile parken und mitschneiden, was sie da tun. Ich persönlich habe noch keine Berichte gelesen über auffällig geparkte StreetView-Wagen.

 

2. „Nutzer nehmen gerne ihren Namen oder sonstige personenbezogene Daten für ihren WLAN Namen“: Selbst schuld. Ehrlich.

3. „Niemand darf mein WLAN katalogisieren.“: Zu spät. Bisher „kauft Google die Daten ein“. Damit Google die Daten, die sie momentan selbst erfassen wollen, einkaufen können, muss sie bereits jemand erfasst haben. Jemand hat also die WLANs gesammelt und gescannt, bevor Google kam. Warum hat da eigentlich niemand gemeckert?

4. „Man darf nicht in meinen Garten schauen!“: Zugegeben: Es wäre nett, zu wissen, wann Google vorbei fährt und knipst, damit man nicht genau dann nackt im eigenen Garten liegt. Luftaufnahmen anfertigen und verkaufen ist jedoch ein Dienst, der schon seit langer Zeit von vielen anderen Unternehmen angeboten wird. Google sind bei weitem nicht die ersten, die das tun wollen, jedoch die am meisten kritisierten. Ganz nebenbei wird doch sowieso das Gesicht verpixelt und andere anonymisierende Maßnahmen vorgenommen. Sagen sie eben, wenn sie dann doch nackt im Internet gelandet sind, es sei jemand anderes.

5. „Da weiß ja jeder wie mein Haus aussieht“: Stimmt. Das weiß auch jeder, der vorbei fährt. Und wissen Sie denn, auf wievielen Fotos japanischer Touristen ihr Haus schon abgelichtet wurde?

6. „Da müssen Einbrecher ja nur noch im Internet gucken um alles zu wissen“: Schön wäre es, für die Einbrecher. Leider sind die Satellitenaufnahmen meist veraltet und die StreetView Aufnahmen sind nicht dafür ausgelegt, Zugänge zu ihrem Haus festzuhalten. Der Einbrecher wird sich also die Zeit nehmen müssen, ihr Haus persönlich unter die Lupe zu nehmen. Indem er daran vorbei spaziert oder selbst Fotos macht…

7. „Google sammelt ja Informationen wie ein Geheimdienst“: Schön wäre es, für die Geheimdienste. Ordentliche und verwendbare Daten müssen diese aber weiterhin selbst sammeln, vorausgesetzt sie posten nicht alle relevanten Informationen über ihr ungeschütztes WLAN das Sie mit ihrem eigenen Namen gekennzeichnet haben in kurzen Intervallen durch die Welt, so dass die Zeitspanne auch ausreicht, damit ein StreetView Auto es mitschneiden kann.

 

 

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