Atomausstieg und eine Flasche voll Lügen

Der Atomausstieg – über nichts kursieren momentan so viele Gerüchte und Unwahrheiten.

 

Am schlimmsten finde ich, wie argumentiert wird. Da haben alle Angst um ihren „Wohlstand“, vergessen aber, was dieser Wohlstand für sie bedeutet: im Umkreis von AKW bekommen Kinder viel häufiger Blutkrebs, ebenso rund um das gescheiterte Möchtegern-Endlager Asse. Nicht zu vergessen natürlich bald rund um Fukushima und in allen Gebieten, in denen Partikel aus Tschernobyl ankamen: Blutkrebs und Schilddrüsenkrebs sowie weitere, erst viele Jahre später erkennbare und nicht mehr mit dem Verursacher in Verbindung gebrachte „Segnungen des Atomzeitalters“.

 

Natürlich wird auch kräftig gewettert, es bringe uns einen höheren Strompreis ein, dass wir wegen der erneuerbaren Energiequellen neue Stromtrassen bräuchten. Dabei wird natürlich verschwiegen, dass der Ausbau schon deswegen fällig ist, weil seit Jahren nicht genug Gelder investiert wurden, obgleich der Kunde bezahlen durfte wie ein König. Der Ausbau des Leitungsnetzes ist schon längst überfällig, denn wir produzieren aufgrund der steigenden Nachfrage auch immer mehr Strom, wobei wir längst den Punkt erreicht haben, an dem die Produktion gedrosselt werden muss, um das Netz nicht zu überlasten. AKW kann man nicht drosseln.

Dass der billige Atomstrom ein Mythos ist, den Leute, die mit eben jenen AKW eine Millionen Euro täglich pro AKW verdienen, in die Welt gesetzt haben, sollte auch in jedem Kopf bekannt sein. Aber auch diese Lüge glauben leider viele Menschen, ohne sich zu fragen, ob es bei den Rückbaukosten (ein AKW ist nach Benutzung hochgradig verstrahlt) und den Endlagerkosten wirklich billig sein kann. Natürlich bezahlen die Betreiber diese Kosten nicht einfach allein. Und kann es ein „Endlager“ für Millionen von Jahren sein, wenn man Atommüll in ein marodes Salzbergwerk steckt um welches herum verstärkt Menschen an Krebs erkranken? Und bei all dem billigen Atomstrom bei gleichzeitig mangelnden Investitionen in den Netzausbau – wie sind die horrenden Preissteigerungen der letzten Jahre zu rechtfertigen? Und warum sollen in einer Zeit. in der wir verstärkt mit Stürmen rechnen müssen, Überlandleitungen gebaut werden, die wartungsintensiver sind, statt mehr Geld in Erdleitungen zu investieren, bei denen man dafür an der Instandhaltung sparen kann?

Auch die Sicherheit der AKW wird oft mit dem Argument, deutsche Kraftwerke seien sicher, abgetan. Doch wie sicher ist sicher? Wenn ein Risiko bestehen bleibt, dass um ein Vielfaches höher ist als die Chance auf einen Lottogewinn ist, soll man es dann eingehen? Je mehr mitspielen, desto sicherer ist, dass der Jackpot geknackt wird – selbst wenn vier unabhägige Sicherheitssysteme die Hürde etwas anheben. Bei Lotto sind es wenigstens sieben Hürden und beim Gewinn bleibt kein unbewohnbarer Landstrich und keine Leichensäcke zurück.

Klar sollte auch sein, dass unsere Nachbarn mit ihren AKW uns natürlich keinen Sicherheitsvorteil verschaffen und dass, wenn wir beweisen, dass es ohne geht, diese mit der Zeit auch etwas ändern werden. Leider sitzen wir ziemlich tief drin in dieser Misere und einer muss den Anfang machen.

Wir werden auch keine Jobs verlieren, wenn wir aus dem Atomstrom aussteigen, denn wir schaffen in Forschung und Entwicklung sowie Bau und Instandhaltung der neuen Energiequellen ungleich mehr davon. Und dann, wenn der Rest der Welt auch endlich verstanden hat, dass erneuerbare Energiequellen der einzige Weg sind, unseren Lebensstandard zu halten und unseren Planeten zu erhalten, dann kommen sie zu uns, die wir uns das Know-How erarbeitet haben. Deutschland als Wissens-Exportweltmeister sollte doch sogar FDP-Wähler überzeugen.

Es ist traurig, dass es ein Unglück wie Fukushima braucht, damit überhaupt wieder eine Diskussion wie die derzeitige entbrennt. Noch trauriger ist, dass viele Menschen nicht daraus lernen und weiterhin Profitgier und scheinbaren Wohlstand über Sicherheit und eine lebenswerte Umwelt stellen. Ich setze darauf, dass jeder Mensch in sich weiß, dass „das Richtige zu tun“ ihn auf lange Sicht glücklicher macht als nach den neuesten Gadgets und Statussymbolen zu streben, die nur ein paar Wochen flaches Glück bieten können. Dass jeder Mensch weiß, dass eine begrünte Welt um ihn herum mit weniger Lärm und Abgasen und dafür einem Mehr an Gesundheit letztlich ein lebenswertes und schönes Leben bedeutet.
Und um das zu haben, muss man nicht auf Wohlstand verzichten, sondern kann ihn sogar schaffen. Man muss nicht mehr Strom zahlen, sondern kann sein Geld endlich mal für bessere Zwecke eingesetzt sehen. Man hat das gute Gefühl, richtig zu handeln und Nachhaltigkeit zu schaffen für sich, seine Freunde, seine Familie und seine Kinder.

Das sollte es uns wert sein.

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