E-Zigaretten: Intelligenzfreie Räume

Warnung: Bitte lesen Sie nicht weiter, sofern Ihr IQ sich unterhalb der Raumtemperatur bewegt und/oder Sie Ihre Bildung von RTL oder dem Gesundheitsministerium in NRW beziehen.

 

Ich kann mir nur an den Kopf greifen. Da wird aus einer Meldung vom BfR, die sagt, dass eine Gefährdung Dritter und/oder eine Raumluftbelastung durch E-Zigaretten nicht zu erwarten sei, die Meldung „E-Zigaretten doch Werkzeug des Teufels: Keine Belege für Unschädlichkeit.“ Wissen Sie was? Für Messer, Teddybären, Schnürsenkel und Fürze gibt es auch keine belastbaren, wissenschaftlichen Erkenntnisse, Studien oder Untersuchungen, die eine Unschädlichkeit belegen und keine Beweise, dass sie die Raumluft nicht belasten. Auch für die heiße Luft, die aus dem Rachen von Frau Dr. Pötschke-Langer strömt, existieren keine Belege, dass sie nicht die Raumluft belasten.

 

Nicht nur, dass die Argumentation größtenteils auf Falschaussagen beruht, nein, sie werden auch grundsätzlich in intelligenzfreien, dafür aber emotionsgeladenen Atmosphären geäußert. Es existieren sehr wohl Untersuchungen, bspw. zur Raumluftbelastung durch E-Zigaretten. Zu Propylenglykol, Glyzerin, ja sogar zu Aromen und Nikotin. Auch wenn Untersuchungen, die Nikotin getrennt von der Tabakzigarette betrachten, rar und weit gestreut sind, sie existieren. Und es ist ganz erstaunlich, was man da herausfindet.

Wussten Sie beispielsweise, dass Nikotin ohne Zugabe von MAO-Hemmern (und geschickte Manipulationen an den Zigaretten, wie etwa eine Veränderung des pH-Wertes) kaum eine nennenswerte (sofern überhaupt vorhandene) Sucht erzeugen kann? Für eine Sucht muss nämlich eine Entkopplung des Belohnungszentrums statt finden und das schafft Nikotin nur in Gesellschaft.
Es konnte auch nicht zweifelsfrei belegt werden, dass Nikotin Zellveränderungen (Krebs) verursacht. Zwar wurde beobachtet, dass Nikotin auf die Apoptose wirkt (den programmierten Zelltod) und das Leben der Zelle möglicherweise verlängert, aber a) ist das nur im Fall böswilliger Veränderungen eine gefährliche Sache und b) konnte dieses Ergebnis nicht in jedem Versuch und nicht bei allen Zellarten reproduziert werden. Selbst cytotoxische Effekte, also Veränderungen der Zelle im bösartigen Bereich, können zwar in entsprechenden, hohen Dosierungen beobachtet werden, unterscheiden sich jedoch auch je nach Zellart und sind außerdem nicht zwingend gefährlich – es sei denn, die Zelle kann sich reproduzieren. Ein Effekt, den der Körper in der Regel zu verhindern weiß.
Womit wir bei den krebserregenden Nitrosaminen wären. Diese sind ziemlich gefährlich, nicht wahr? Und doch nehmen Sie sie täglich auf, sei es über gepökeltes Fleisch, Kartoffeln oder andere Nachtschattengewächse oder aus der Umwelt, die wir so schön mit Plastik und anderen Stoffen angereichert haben. Die krebserregende Wirkung dieser Nitrosamine wird aufgrund von Tierversuchen als gegeben betrachtet und wahrscheinlich hat man damit auch Recht. Allerdings kann man diese Studien nicht am Menschen durchführen (außer an Zellkulturen in vitro), und die Daten aus dem Tierversuch sagen uns, dass sie für die getesteten Tiere krebserregend sind. Die unbekannte Größe ist jedoch, ob und wenn ja inwieweit das beim Menschen gilt. Denn viele Dinge, die bei Tieren stark krebserregend wirken, haben auf den Menschen keine solche Wirkung und vice versa. Somit kann man generell sagen, dass eine Reduktion der Nitrosamine in der Umwelt wünschenswert ist, denn man möchte doch lieber weniger kanzerogene Stoffe haben, als es darauf ankommen zu lassen. In der E-Zigarette liegen die Nitrosaminwerte (sofern sie überhaupt gefunden wurden, denn in den meisten Proben konnten gar keine nachgewiesen werden) etwa gleichauf mit Nikotinpflastern und -kaugummis. Und sie kommen nicht in die Umwelt, sondern in den Dampfer. Dieser hat vorher sowieso geraucht und ist damit in jedem Fall besser bedient, als aus der Zigarette die 500-1400fache Dosis davon aufzunehmen. Und Umstehende braucht es nicht zu kümmern, denn es gibt keinen Nebenstromrauch und die inhalierten Nitrosamine bleiben im Dampfer. In der Zigarette sind außerdem sogenannte Katalysatoren zu finden, die die krebserregende Wirkung potentieren, unter anderem Formaldehyd. Welches nicht in E-Zigaretten ist.

Ist nun Nikotin ein Arzneimittel? Nein. Für ein Arzneimittel fordert der Europäische Gerichtshof belastbare Beweise für eine pharmakologische Wirksamkeit. Diese ist nicht mit physiologischen Wirkungen zu verwechseln, welche durch alles, was wir zu uns nehmen, verursacht werden. Sicher fragen Sie sich, weshalb dann Nikotinpflaster und -Kaugummis ein Arzneimittel sind: Weil sie Nikotin in einer bestimmten Dosis über einen bestimmten Zeitraum freigeben (nicht variabel!) und weil sie als Arzneimittel konzipiert wurden und vermarktet werden (siehe „Funktionsarzneimittel“). Die E-Zigarette wiederum dosiert Nikotin so, wie der Dampfer das möchte, um seinen persönlichen Genuss zu haben und ist damit ebenso Arzneimittel wie Kaffee. Deshalb finden Sie auch Koffeintabletten in der Apotheke, ohne dass Koffein selbst ein Arzneimittel ist.

Wird der Passivdampfer belastet? Nein. Das Nikotin wird zum allergrößten Teil vom Dampfer resorbiert und nur in kaum bis gar nicht nachweisbaren Mengen in die Raumluft abgegeben. Bei Inhalation werden in der Regel 98-100% resorbiert, was bedeuted, dass, wenn ein Dampfer 16mg/ml in seiner Kartusche hat und 1ml verdampft 0-0,32mg in der Raumluft landen könnten. Um davon überhaupt etwas zu bemerken, müssten Sie alles Nkotin aus der gesamten Raumluft absorbieren, und es müsste eine ganze Menge Dampfer anwesend sein, um überhaupt in kurzer Zeit einen Milliliter zu verdampfen.
Das Propylenglykol in der Raumluft wiederum ist ein hygroskopischer Stoff. Es könnte also, bei entsprechenden Mengen (etwa in der Größenordnung der Nebelfluidkonzentration in einer Disco) vorkommen, dass man trockenen Schleimhäute bekommt. Nichts anderes ist es, was Frau Dr. als „Reizgas“ oder „reizend“ bezeichnet am PG, es kann die Schleimhäute irritieren und damit zu Reizungen kommen, wenn genug davon eingeatmet wird. Hierfür muss man jedoch höhere Konzentrationen erreichen, die Dampfer müssten also genug Dampf produzieren, um mit einer Nebelmaschine zu konkurrieren. Und es dürfte nicht gelüftet werden. Des weiteren sind diese Effekte allesamt reversibel (Flüssigkeitszufuhr) und man wird entsprechend nicht gesundheitlich gefährdet.

Es gibt übrigens zusätzlich zu diesen schlimmen Gefahren, die ich beschrieben habe, positive Effekte: Je mehr Raucher umsteigen, desto weniger Nebenstromrauch, desto weniger Nitrosamine „in freier Wildbahn“. Desto mehr wäre auch sonst der Krebsprävention gedient. Doch es scheint, man ist bei den zuständigen Stellen nicht an einer großflächigen Besserung der Volksgesundheit interessiert. Wäre man das, würde man wie Großbritannien die E-Zigarette in Tabakladen verkaufen und das billiger als Tabakzigaretten, damit mehr Menschen umsteigen und weniger Menschen sich täglich vergiften.

Und wo bleibt eigentlich bei all der Diskussion der Nichtfahrerschutz? Denn für Verbrennungsmotoren haben wir belastbare Studien zur Umweltbelastung, zur Atemluftbelastung. Ganze Städte sind momentan Raucherkneipen, doch vom Nichtfahrerschutz habe ich bisher kein Wort gehört.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

P.S.: Es gibt so viel Untersuchungen und Studien zum Thema, dass der ganze Text blau vor Links sein könnte.

 

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