Kapitel 1 – Einleitung

Es begann mit einem Telefonanruf. Nein falsch. Um ab ovo zu beginnen, müsste ich damit anfangen, dass ich eines Tages einen Ablehnungsbescheid in meinem Briefkasten vorfand. Man informierte mich mit selbigem, dass eine Zulassung zum Referendariat leider zu diesem Zeitpunkt aufgrund astronomisch hoher Bewerberzahlen, von denen schon das Maximum angenommen wurde, das man dem überarbeiteten Personal des Studienseminars zumuten kann, eine Zulassung für mich nicht möglich sei. Ich möge mich deswegen nicht grämen, sprach es weiterhin, immerhin könne ich es gerne erneut versuchen und man bekomme ja auch Wartepunkte angerechnet, mit deren Hilfe könne man sich wiederum mit der Zeit in das System Referendariat einkaufen. Welch eine erfreuliche Konsolation!

Da ich nun keine schwere Behinderung vorzuweisen hatte, keine alternden Angehörigen versorgen oder schwangere Freundin durchbringen musste – ein Luxus, den man sich als Student und angehender Referendar nicht zu leisten vermag – hieß es also weiter warten. Glücklicherweise hatte ich zu diesem Zeitpunkt eine befristete Stelle als Teilzeitkraft an einer IGS und so zumindest schon die Möglichkeit, meine mangelnde pädagogische Qualifikation an einer heterogenen Schülerschaft auszuprobieren. Die Existenzängste blieben somit zumindest für die nächsten Monate auf einem erträglichen Level, dachte ich.
Ich lebte also zunächst weiter vor mich hin, unterrichtete nach bestem Wissen und Gewissen auch mal fachfremd und machte erste längere Erfahrungen mit dem fremden Wesen Kind. Der erste Punkt auf meiner Agenda für das Referendariat war in diesem Zusammenhang auch sehr deutlich für mich: Klassenführung. Wie bringt man eigentlich diese kleinen Wesen dazu, das zu tun, was man von ihnen will? Und warum tun sie es nicht von sich aus?
Inmitten meines Trotts, ich lag gerade mal wieder genervt und leicht perspektivlos auf dem Bett bei meiner Freundin und nieste mir die Strohmoleküle aus der Nase, die diese irritierten, klingelte an einem Mittwoch morgens das Telefon. Dies war an und für sich nichts ungewöhnliches, zumindest nicht, bis ich das Gespräch annahm. Am anderen Ende der Leitung stellte sich eine freundlich klingende Dame als Seminarleiterin vor, welche durch eine Fügung des Schicksals mir im Rahmen des 9ten (in Worten „Neunten“) Nachrückverfahrens einen Platz anbieten könne. Ich erinnere mich noch heute besonders gut an ihre Wortwahl:
„Ja guten Tag Herr Meyer! Sie hatten sich ja für das Referendariat beworben, haben Sie weiterhin Interesse an einem Platz?“
Hier ging mir in etwa folgendes durch den Kopf: „Nein, ich möchte gerne auf meinen Wartepunkt verzichten und beim nächsten Durchlauf von vorn anfangen, bitte geben Sie den Platz doch jemand anderem. Was für eine Frage!“‚ Geantwortet habe ich natürlich mit einem schlichten „Ja, natürlich“. Und gedacht habe ich selbstverständlich „Ja, ja und tausendmal ja, mi amore!“

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