Rädchen im Kopf – Insomnia

Manchmal ist die Nacht scheinbar nicht zum schlafen da, zumindest nicht für dich.


Manchmal sitzt man zu den unchristlichsten Stunden nachts da und im Kopf drehen sie sich, die Rädchen. Man verwirft ein Thema und ein neues kommt auf, je nachdem wie stark die Müdigkeit kratzt, sind die Themen verworrener oder klarer, die Einfälle zusammenhängender oder loser. Dann liegt man mit seinem Ohr auf dem Kissen und das Pieksen der Federn am Hals, am Ohr, auf der Wange, einfach überall ist übertrieben stark, man merkt jede Faser der Feder. Und die Räder wollen nicht stoppen.
In seltenen Fällen entschließt man sich dann, den Rädchen freien Lauf zu lassen, man tut, was jeder gute – aber merkwürdige – Bürger tun würde: Aufstehen, den Computer anschmeissen, niederschreiben, was die Rädchen wollen. Mit Glück sinkt man danach erschöpft, übermüdet, aber befriedigt wieder in sein Bettchen, die Federn stechen nicht mehr und alles ist weich und warm und wohlig und man schlummert ein und die Rädchen drehen nur noch leise und spinnen einen Traum  – oder es tritt die Version ein, in der der Film reisst, man als schwarzer Mann durch einen schwarzen Tunnel fliegt in einer sehr schwarzen Nacht und erwacht und es ist Tag. Manchmal jedoch weiß man gar nicht so recht, was sie wollen, all die Gedanken. Dann weiß man auch nicht, ob es wirklich unbedingt notwendig ist, dass jemand dieses ganz Zeug aufschreibt. Muss man denn noch mehr Menschen mit seiner eigenen Insomnia quälen? Machen sich überhaupt andere Menschen solche Gedanken um solche Urzeiten? Und wenn nicht, wieso sollte es sie dann interessieren oder berühren? Und wenn ja, wieso sollte es sie dann interessieren oder berühren?
Man fragt sich: Wenn Geist über Materie herrscht, wieso kann mein Geist dann nicht meinen Körper befehlen „Schlafe von 3 bis 9, danach koche Kaffee.“? Da übt man, wie man entspannen kann und wie man Gedanken schrittweise herunterfahren kann, und doch gibt es so viele Nächte, in denen man ohnmächtig ist, etwas zu tun, was den Schlaf begünstigen würde. Und wenn Geist über Materie herrscht, kann dann nur die 1000Watt-Birne unter den Geistern wirklich über sein Gefängnis, sein Transportmittel herrschen? Wie ist es mit jenem, dessen Geist eher einer 10 Watt Birne gleicht? Leuchtet dieser Geist so wenig von der Welt aus, dass es zum Schlaf viel einfacher ist? Ist es dunkel genug, um zu schlafen, selbst wenn dieses Birnchen noch brennt, sich die Rädchen noch drehen?
Dann würde es eher glücklich machen, wenn Mensch nicht zu schlau wäre. Dem widersprechen wiederum die Suizidraten. Und Statistiken lügen nicht, richtig? Nun, dann liegt entweder der kleine wie der große Geist wach, oder es macht den größeren Geist im Ausgleich etwas beschwingter, nachts wach zu sein und dem Grund zu folgen, wieso er wach ist. Wenn nur das Erwachen nicht wäre, an dem man verflucht, dass man so lange wach lag und nun nicht ausgeglichen, ausgeschlafen, ausgeruht und ausser sich vor Freude ist! Denn die Nacht, in der man wacht, kann man nicht verfluchen, ist sie doch so eine angenehme Gefährtin, still, dunkel und vom Trubel der Welt befreit. Kein Telefon klingelt, kaum ein Auto fährt, ja sogar die Nachbarn haben das Streiten eingestellt. Und doch ist so oft alles, was man produziert in diesen Stunden von solch geringem Nutzen wie eine Reflektion über die Tatsache, dass man nicht schläft, während man wacht. Eines jedoch zeigt es einem, und es bringt die zufriedene Müdigkeit zurück: Wenn du nicht schläfst, während du wachst, dann ist deine Realität kein Traum.

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