Einsam, Zweisam, Gemeinsam


Manchmal ist die Gesellschaft, die man hat, nicht durchgehend auch die, die man will. Gelegentlich ist man in Gesellschaft trotzdem einsam. Selten ist die Gesellschaft, die man gerade hat, die, die man will, wann man sie will. Oft ist man sich selbst genug Gesellschaft. Oft reicht einem die eigene Gesellschaft einfach nicht aus.

Eins ist klar: Als Mensch braucht man Gesellschaft, denn „no man is an island“. Wenn man zu lange einsam ist, fängt es an, an einem zu nagen. Es frisst am Herzen, an der Seele, an der Substanz. Man wird auf Dauer seltsam, wenn man zuviel einsam ist, man springt zu bereitwillig auf angebotene Gesellschaft und wird so schnell zu der Art Gesellschaft, die die Person, welche Gesellschaft anbietet, doch nicht haben möchte.
Auch wird es auf Dauer schwerer, seine Ansprüche aufrecht zu erhalten. Qualitativ minderwertigere Gesellschaft erscheint als erstrebenswerte Gesellschaft wie dem Verdurstenden das Brackwasser schon wie ein Geschenk des Himmels vorkommen mag. Ich muss vorausschicken, dass ich mich auf die Single-Einsamkeit beziehen will, die Einsamkeit, die man ohne einen Partner hat, selbst wenn man einen Haufen Freunde um sich hat und diese Freunde und diverse Bekannte einem Gesellschaft durchaus bieten – und gute. Es ist dabei nicht verkehrt, Single zu sein und es ist auch keine schlimme Sache. Man hat durchaus mannigfaltige Vorteile als Single und man kann doch angemessen glücklich damit sein – genauso, wie man in einer Beziehung angemessen unglücklich sein kann oder auch glücklich. Doch konzentrieren wir uns auf die Momente, in denen man sich sicher ist, dass man in seinem partnerlosen Dasein gerade nicht glücklich ist, denn das sind schließlich die Momente, die einen über die Zeit mehr zu nerven beginnen – glücklich scheint zu langweilig zu sein, um es durchgehend im Gedächtnis zu halten.
Man hat also diese Momente, in denen das Bett zu kalt und leer ist, das Zimmer (die Wohnung) zu still, der Kaffee zu „muss ich immer selbst kochen“ und das Essen zu fad („es lohnt sich gar nicht, für mich allein zu kochen“), die – je länger der „Zustand“ (Oh ja, liebe Singles –  es ist ein Zustand. Würden sonst 90% aller Singles verzweifelt versuchen, ihre Lebenssituation zu ändern? Ich glaube nicht.) andauert – beginnen, die Lebensqualität zu definieren, das Erleben zu formen. Die Gefahr ist nun, dass man, wenn man schon länger in diesem Zustand überdauert, eher bereit ist eine weniger aussichtsreiche Gelegenheit zu nutzen, die – scheinbar – alle Träume erfüllt und die träumerische Ecke im Gehirn anschaltet, die einem dann den Film vorspielt, in welchem alles exzellent abläuft und „ewig“ währt. Und wenn man auf diese – sehr menschliche – Falle hereinfällt, hat man meist schneller seinen Status „Single“ wieder, als man sich wünschte.
Aber wie soll man seine Ansprüche aufrecht erhalten, wenn schon eine Weile niemand vielversprechendes mehr „angebissen“ hat? Und hat vielleicht gerade wegen der Ansprüche niemand mehr angebissen? Kann es wirklich schaden, wenn man nun seine Ansprüche (die man aus gutem Grunde aufgebaut hat!) ein kleines bisschen abändert? Ja, kann es. Denn es wird nur wieder dazu führen, dass man durch eine vorzeitige Trennung daran erinnert wird, warum man diese Ansprüche eigentlich zusammenstellte.. Andererseits sollte man auch nicht kategorisch an einer vorher aufgestellten Merkmalliste festhalten, die der „Bewerber“/die „Bewerberin“ zu erfüllen hat, sonst findet man immer nur den selben Typ Mensch und vielleicht jagt man den richtigen Typ Mensch davon, weil er/sie (scheinbar) einen (wichtigen?) Anspruch nicht erfüllt.
Letztlich kommt es doch auf Qualität an und jetzt ist der beste Zeitpunkt, auszusuchen, wer diese besitzt und endlich mal eine gescheite Wahl zu treffen, statt wieder auf die „Single Falle“ reinzufallen und die Ansprüche zu sehr herunterzuschrauben. Das hat nicht nur seine Begründung in späterer Harmonie, denn: Wer will schon der/die Verzweifelte im Freundeskreis sein, wo jeder sich hinter dem Rücken erzählt, wie langer der/die Arme schon sucht …
Also immer fein den Kopf hoch halten, die Aerodynamik bewahren und endlich mal lernen, die eigene Gesellschaft zu genießen, bis sich bessere findet! 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.