Populismus


An sich ist Populismus doch gar nicht schlecht,  oder? Immerhin geht es doch darum zu sagen, was „dem Volk“ wichtig ist, was „den kleinen Mann“ bewegt! 

Allerdings gibt es bereits in dieser einfachen Auslegung Probleme: Zum einen ist „das Volk“ gar nicht fassbar. Wenn eine Partei das komplette Volk vertreten würde, wozu hätten wir dann mehrere Parteien? Und in Systemen, wo wir nur der einen Partei begegnen, die das Volk vertritt, hat dieses Volk auch gar nichts oder zumindest sehr wenig zu sagen. Und das sind nur die einfachsten Auffälligkeiten, da sind wir noch gar nicht darauf eingegangen,  dass wir „das Volk“ irgendwie definieren müssten. Und wenn wir das Volk definieren, gibt es plötzlich ganz viele Außenseiter. Selbst dann,  wenn es hieße „jeder der Deutsche(r) ist, ist das Volk“, hätten wir mehr Fragen als Antworten. Zum Beispiel müssten wir fragen, was Deutsche deutsch macht. DNA? Pass? Eltern? 

Und warum sollte das Volk dann nicht bereits vertreten sein? Gleich welche Definition man anwendet, die meisten Politiker gehörten weiterhin zum „Volk“. Analog kann man sich überlegen, was deutsche Interessen sind und wie diese am Besten realisiert werden. Wie man es dreht und wendet, wenn man alle im Land vertreten will, muss man zwingend die Politik so organisieren, nun, wie man sie eben grob organisiert hat. 

Und dort liegt eben das eigentliche Problem mit dem Populismus: Er vereinfacht die Dinge über Gebühr. Unsere Welt ist komplex und daran ändert leider auch eine Partei, die behauptet, dass alles einfach gelöst werden könne, nichts. Noch schlimmer am Populismus ist,  dass zwischen all den lauten Äußerungen, die unsere Ängste bestätigen und „Lösungen“ anbieten, die leiseren Äußerungen untergehen. Dass eine Partei laut schreit, sie sei auf deiner Seite und leise dann die Interessen weniger,  reicher weißer (aber nicht jüdischer) Männer vertritt. Dass sie dir schaden, wenn du zufällig nicht auch reich, weiß und männlich bist. Um ein gutes Beispiel zu haben, muss man nur schauen, wie Trump aktuell sein Kabinett baut. Oder das Wahlprogramm der AfD lesen. 

Und im Angesicht von Populismus muss man vor allem eines tun: sich umfassend informieren. Bei jedem Medium eine gewisse Skepsis mitbringen heißt auch und vor allem,  nicht dubiosen Blogs zu vertrauen,  sondern sich aus mehreren Quellen eine Meinung zu bilden. Professionelle Journalisten geben Quellen an und wenn du die Quellen liest, sagen diese auch das, was der Artikel behauptet. Und vor allem informieren Journalisten möglichst neutral. 

Die größte Herausforderung ist diese: Irgendwem muss man vertrauen. So sind wir gestrickt. Und es ist schwer zu entscheiden, wem. Ich vertraue denjenigen, die nicht Isolation und Ausgrenzung predigen. Dem System, das wir geschaffen haben und das uns bisher sehr gute Dienste geleistet hat. Das heißt nicht, dass es perfekt sei, im Gegenteil, besser geht es immer. Demokratisch und ohne Freiheiten abzubauen. 

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