Schreibwut / Exkursion

In Deutschland ein Priester (mal wieder Kindesmissbrauch), in Amerika ein Politiker und dann wieder in Deutschland zwei Geschwister. Sex ist natürlich wieder in der Welt ein Thema, warum auch nicht. Und die Zeit erklärt uns auch gleich, dass Europa eben doch kulanter mit Sex und seinen Affären umgeht:

„Hingegen der alte Kontinent: Da durfte der französische Präsident eine Zweitfrau haben, der deutsche Bundeskanzler vier Mal verheiratet sein, vom britischen Königshaus erst gar nicht zu reden. Die Briten stören sich erst an der Affäre eines Politikers, wenn das betreffende Callgirl gleichzeitig für den KGB spioniert. Deutschland ist eher noch toleranter. Das Coming Out von Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit und seinem Hamburger Amtskollegen Ole von Beust, Horst Seehofers Geliebte und ihr Kind, Christians Wulffs Scheidung, Joschka Fischers fünfte Frau, das alles wird mit Achselzucken zur Kenntnis genommen. Bloß Gabriele Pauli, die stolperte über ein Paar schwarze Lack-Handschuhe.“

Ich war mal so frei gleich den gesamten Block zu zitieren, denn er liest sich einfach so schön. Die Schlussfolgerung aus Amerika und den dortigen „Skandalen“? Ganz einfach und ach, ich habe es gar schon einmal in einem Blog gesagt und bei der Zeit stimmt man mir zu „je puritanischer eine Gesellschaft ist, je weniger sie schwule Lebensgemeinschaften, Scheidungen und das Zusammenleben unverheirateter Paare toleriert, eben all das, was von der althergebrachten Moral abweicht, um so mehr brechen sich sexuelle Bedürfnisse eruptiv und seitwärts eine Bahn, im Geheimen.“ (Link siehe oben, Seite 2).

Achja, Sexskandal zwei wollen wir nicht unter den Tisch fallen lassen, immerhin geht es um 22 sexuell belästigte Jugendliche/Kinder, die der Herr salopp gesteht. Und was macht die Kirche? Na klar, nachdem Mitte 2000 schon eine Bewährungsstrafe wegen sexuellem Missbrauch über den Herrn verhängt wurde, ist er 2001 schon wieder Seelsorger der Gemeinde und darf die Ministrantenausflüge organisieren und Kindern intime Fragen stellen. Prävention ist eben nicht kirchliche Meisterdisziplin, sieht man ja an deren Haltung betrefflich Verhütung.

Nummer drei noch schnell und weiter geht es; bei Nummer drei handelt es sich um den Inzestfall, Familie mit vier Kindern, Eltern sind Geschwister und nun wurde der Mann verurteilt, um die Familie zu schützen, das Erbgut zu bewahren und aufzupassen, dass die „unterlegene Partnerin“ (hui, Oxymoron) nicht zu Schaden kommt. Jedenfalls ist ja schon alles angerichtet und das Inzestverbot bleibt erstmal bestehen, wütende Stimmen auf beiden Seiten und so recht rational begründen mag es keiner. Denn unser Problemchen hierbei ist: nüchtern, rational und affektlos betrachtet, ist es vollkommen in Ordnung mit dieser Geschwistersache und scheinbar ist selbst die Beweislage zum Thema höhere Missbildungswahrscheinlichkeit nicht so recht sicher. Doch den meisten stellen sich nun mal die Nackenhaare auf, wenn sie Inzest hören und somit ist hier erstmal weiterhin die Klappe zu und der Affe weggesperrt.

Auch die Bundeswehr bekam ein wenig auf die Finger geklopft, den Wehrdienstleistenden gefiel scheinbar das Freizeitangebot der Bundeswehr nicht so recht und es wurde geklagt. Wirklich, vor einem Gericht. Heraus kam, dass es nicht okay ist, wenn man arme Wehrdienstleistende mit Elektroschocks bearbeitet, schließlich muss ja nicht jeder von ihnen später nach Afghanistan oder in den Irak, weshalb Folter in der Grundausbildung (noch) nicht angemessen ist. Aber ein paar der Dinge, die im Bundeswehr-Freizeitangebot enthalten sind, bleiben weiterhin straffrei und enthalten, schließlich ist

„Nicht alles [..] im Rahmen der militärischen Ausbildung gleich eine Misshandlung, fanden die Richter. Anschreien, Augen verbinden, fesseln – strafrechtlich relevant ist das nicht, wenn es ums kämpfen lernen [sic!] geht. Ein gewisses Maß an Härte also scheint erlaubt, wenn Soldaten gemacht werden sollen.“

Tja, was passiert sonst so… die Universität Münster fördert hochbegabte Kinder, damit diese uns in ein paar Jahren erklären können, wieso wir das mit dem Inzest trotz aller ratio irgendwie nicht so besonders toll finden und warum wir generell Strafen verhängen wenn man unsere Konventionen nicht befolgt. Bis dahin schreiben die kleinen Racker erstmal über Röntgenstrahlen und den Satz des Pythagoras so etwas wie wissenschaftliche Arbeiten und lassen sich solange die Kindheit rauben, bis sie dann mit 20 endlich ausflippen und im Sumpf von Alkohol und Drogen versinken können, weil sie der Belastung nicht standhalten und keine Lust mehr haben, all die Ansprüche zu erfüllen.

Wenn dem dann so sein sollte, können sie aber wenigstens die folgende Erkenntnis nutzen und einen Weg aus der Sucht alleine erkämpfen: Placebos wirken einfach super! Tatsache, auch wenn alle wissen, dass „Homöopathie logischer Unfug [ist], sagt sie doch, dass die heilende Substanz so weit in Wasser verdünnt worden ist, dass von ihr nichts mehr übrig bleibe – nur noch das „Gedächtnis“.“. Denken wir mal zurück, verknüpfen wir die ganzen AD(H)S-Kinder mit den „unterforderten“ oder den „lebhaften“ oder den „etwas anstrengenden“ Kindern von früher. Wären AD(H)S-Kinder auch AD(H)S-Kinder, wenn wir kein Ritalin hätten? Könnten wir diesen Mist vielleicht – wie damals, als es AD(H)S nicht gab – durch Placebos und elterliche Zuwendung ebenso lösen wie wenn wir die Kinder auf Drogen setzen? Welch entsetzliche Gedanken! Doch in der Tat wäre es vielleicht besser, würden mehr Menschen über Erziehung und Zuwendung nachdenken, anstatt über das „Zwei-Klassen-Internet“ , das mit IPv6 und QoS geschaffen werden könnte. Das finde ich jetzt so überzogen, ich äußere mich einfach nicht dazu.

Genug der Exkursion, abschließend noch schnell www.studentenbaby.de abhandeln, immerhin war es eine gute oder zumindest interessante Idee, Studiengebühren auf diese Art und Weise anzugreifen. Aber dann kamen sie natürlich wieder aus ihren Löchern, die „bildungsfernen Schichten“, die nicht verstanden, was Intention der Seite war, nicht Intention schreiben konnten und ließen sich aus. Vielleicht hätte ein Zwei-Klassen-Internet das ja verhindert! Und last but not least fühlten sich Menschen, die selbst keine Kinder bekommen konnten (Fruchtbarkeitsferne Schichten also) durch die Seite angegriffen und der Lächerlichkeit preisgegeben. Im sicheren Treibhaus überlebt nun mal auch das zarteste Pflänzchen. Und fordert sein „Recht auf Licht“ bei der Ulme ein, die sogleich genötigt wird, Platz zu machen. Und wehe dabei wird ein Witz über die Größe des kleinen Pflänzchens gemacht, immerhin hatte die Ulme halt mehr Glück im Leben  und kein Recht über sonnenfernere Schichten einfach Witze zu machen.

Das war’s von mir, einen schönen Tag wünsche ich allen sonnenfernen, erdnahen und kognitiv unterbelasteten Randgruppen.

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