Bild dir deine Meinung!

Tatsache, ich schreibe über einen Artikel der Bildzeitung. Den ich natürlich nicht gelesen habe, wie ich behaupten möchte, um mein Gesicht zu wahren. Genau genommen habe ich quergelinst, nicht richtig gelesen, aber im Vorbeigehen den Plot, „the gist“, das worum-es-sich-drehen-tut aufgenommen. Und worum es sich im Bildzeitung Titelaufhänger der Ausgabe im Waschraum unseres Kellers handelt, davon möchte ich im folgenden Bericht berichten!

Tatsache, ich habe „Bericht berichten“ geschrieben und ich stehe dazu, denn der Klang macht den stilistischen Ausrutscher wieder wett. Finde ich. Doch zum Thema: Die Bildzeitung und ihre Titelstory:

Es betrug sich zu Ostern, da im säkularen, deutschen Staate die religiösen Gefühle sich beleidigt fühlten ob der kalten Gewalt, die das TV-Programm regierte. Als „zynisch“ wird „Stirb Langsam“ als Karfreitags-Blockbuster bezeichnet, mitunter „grausam“ wurde es gar gewertet, dass am Ostermontag dann „Schlafwandler“ von Stephen King lief (hier der Bild-Artikel ). Na also wirklich, wer kann denn da nicht lachen? Also ich persönlich finde die Auswahl köstlich, amüsant, herrlich makaber.
Und warum sollte man auch ein anderes Programm wählen aus Rücksicht auf die österlichen Religionsgefühle nehmen? Immerhin leben wir doch in einem säkularen Staat oder nicht? Und Gefühle sind nunmal Gefühle, wer sich beleidigt fühlt, weil am Tage, da der persönliche „Heiland“ an einem Kreuze hingerichtet wurde (frei nach nicht so ganz belegbarer „Geschichtsschreibung“, die Gott persönlich diktiert hat)  Jahre später „Stirb langsam“ im Fernsehen kommt, der hat immer noch die Option einfach mal abzuschalten. Statt vor der Glotze rumzuhängen einfach mal mit der Familie die Passion Christi im Garten nachspielen oder über die Philosophie die in dieser Religion steckt nachdenken, statt sich darüber aufzuregen, dass die Hülle nicht von allen geachtet wird.
Doch offenbar ist mit dem Inhalt der Religion schon lange nichts mehr anzufangen und ihre Repräsentanten und selbst ernannten Anhänger müssen den Tag damit verbringen, dem Rest der Welt mit ihren verletzten Gefühlen und ihrer Meinung auf den Keks zu gehen. „Kein angemessener Umgang mit der Osterbotschaft“ sei das (ich zitiere weiterhin den Bild-Artikel von oben) sagt der Erzbischof von München (Marx) und gibt an, dass er sich sowas auch nicht anschaue. Schön, soll er doch.
Was genau bringt denn den Herrn Erzbischof überhaupt zu der Ansicht, dass das gesamte Land einen angemessenen Umgang mit der Osterbotschaft zu pflegen habe? Immerhin leben in Deutschland genug Moslems, Juden, Buddhisten, Atheisten und sonstige Anhänger alternativer Religionen, warum sollten diese mit der Osterbotschaft überhaupt Umgang pflegen? Und was ist diese geheime Osterbotschaft? „Nagelt eure Mitmenschen nicht an Holzkreuze, das verursacht höllische Schmerzen und kann zum Tode führen“? Und wer sagt denn, dass die Fernsehsender nicht genau richtig mit der Osterbotschaft umgingen? Vielleicht wollten sie ja durch die exzessive Darstellung brutaler Gewalt eine Abneigung gegen Gewalt im Publikum entfachen und somit der Osterbotschaft genüge tun! Vermutlich nicht. Aber wie gesagt, das ist auch gut so, denn wir sind in diesem Land nicht alle gute Christen, wollen nicht alle angemessen mit der Osterbotschaft umgehen und deshalb auch nicht unsere Feiertage damit verbringen müssen, Heidi-Wiederholungen zu schauen und Bibel-TV aufgedrückt zu bekommen. Wenn ich Brechreiz benötige, so kann ich ebenso aus freien Stücken zu godtube.com  (hier wird „bewiesen“, dass die Banane Gott beweist. Besser als „Stirb langsam“?) surfen, dafür brauche ich weder Ostern noch Herrn Marx noch die Osterbotschaft. Und auch wenn ich gar keinen Fernseher habe, so möchte ich doch bekunden, dagegen zu sein. Gegen religiöse Indoktrination im Fernsehen, gegen langweilige Filme zu Ostern und gegen Politiker, die sich in religiöse Angelegenheiten einmischen oder Religion über politische Kanäle verbreiten wollen!
Herrn Gebhard Fürst möchte ich hier auch mal eben noch zitieren (wieder von der Bild-Artikel Seite, die ich mittlerweile wohl doch überflogen habe): „Man schaut dort leider nur auf die Quoten. Das ist ein Angriff auf die öffentliche Ordnung! Wenn der Staat Tanzveranstaltungen verbietet und gleichzeitig im Fernsehen Mord und Totschlag stattfinden, kann der Bürger die Plausibilität von staatlichen Regelungen nicht mehr nachvollziehen.“. Soso, Herr (Bischof) Fürst, staatliche Regeln und religiöse Gefühle vergleichen? Aber mein Herr, hatten wir es nicht eben vom säkularen Staat? Da können sie leider nicht einfach solche Parallelen machen und die Religion ganz nach an die staatlichen Regeln ankuscheln, denn das sind zwei verschiedenen Paar Schuhe! Und dass der Fernsehsender nur auf die Quoten schaut sagt uns zwei Dinge: Die Mehrheit WILL sich nicht mit Osterbotschaften bedröhnen sondern mit Actionfilmen und die öffentliche Ordnung bleibt sehr wohl gewahrt, denn wenn die Quote gut ist, heisst das, dass die Mehrheit zufrieden vor der Glotze sitzt und damit sehr ordentlich ist. Überhaupt frage ich mich, ob sie so recht wissen, was sie da von sich geben, Herr Fürst.
Und als Schlusswort noch die Politiker, denen das Programm an Ostern nicht gefiehl. Natürlich waren es CDU/CSU, die es ganz schrecklich fanden, christliche Werte dürfen nicht aufgeweicht werden, heisst es da und dass der Fernsehsender einen Auftrag und eine Verantwortung habe sei ganz klar. Seit wann haben denn abseits der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender noch Aufträge? Das ist Marktwirtschaft, kein religiöses Sprachrohr. ARD und ZDF mögen den Auftrag haben die Grundversorgung mit Information sicherzustellen (was angeblich die Rechtfertigung für die GEZ Gebühren sein soll, die u.a. mich dazu zwingen, meinen PC anzumelden, obwohl ARD und ZDF überhaupt nicht ordentlich online abrufbar sind. Ich möchte gefälligst werbefreie Internet-Livestreams von mindestens ARD u ZDF für meine GEZ Gebühren sehen! Auch wenn ich sie nicht anschauen werde^^) aber sicher nicht auf religiöse Gefühle Wert zu legen. Also: Ball flach halten, wenn ihr angenehm kuschliges, religiöses Getudel sehen wollt zu Ostern, damit ihr anstatt zu kommunizieren christlich vor der Fernsehkiste rumliegen könnt ohne euch anzusehen, dann startet einen christlichen Fernsehsender wie Bibel-TV. Aber lasst unsere Fernsehsender in Ruhe. Überhaupt, warum die Aufregung um das Fernsehprogramm? Geht es an Ostern darum, möglichst viel sauberes Fernsehen zu schauen? Nein? Warum macht ihr dann nicht etwas anderes und beschwert euch über das Fernsehprogramm? Tut Gutes, geht angemessen mit eurer Osterbotschaft um, wenn ihr es wollt, aber kritisiert nicht das Fernsehen um von eurer Untätigkeit und Scheinheiligkeit abzulenken!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.