Kopftuchverbot!

Ist es ein Eingriff in die freie Meinungsäusserung, Kopftücher zu verbieten? Schränkt es die Religionsfreiheit oder das Recht auf freie Selbstbestimmung ein?

Meine Antwort auf alle dieser Fragen ist „Nein!“. Ich denke, es ist richtig, das Tragen eines Kopftuches zu verbieten und wenn es nach mir ginge, würde ich das offensichtliche Tragen religiöser Symbole aus öffentlichen Gebäuden ganz verbannen. Natürlich kann jeder sein Kruzifix am Körper tragen, so es ihm oder ihr zusagt, ein Symbol des eigenen Glaubens bei sich zu haben. Was mit dem Kopftuchverbot jedoch eingeschränkt wird, ist ein Zwang, der durch die Religion auf den Menschen ausgeübt wird. Weil es die Religion diktiert, wird es als Zeichen der Zugehörigkeit beziehungsweise der Unterwerfung unter dieses System getragen. Es wird also nicht gegen die freie Äußerung des Individuums vorgegangen, sondern gegen auferlegte Repressalien. Ich möchte nicht dagegen argumentieren, dass Menschen sich Aufkleber oder Anstecknadeln zu Eigen machen, die ihre Einstellung zu etwas deutlich machen – wer zwischen sich und seinen Mitmenschen auf diese Weise eine Barriere schaffen möchte, soll das tun dürfen. Wichtig ist mir, dass nicht dominante Philosophien oder Religionen ihren Mitgliedern vorschreiben, sich durch Zeichen kenntlich zu machen und somit Anhänger anderer Philosophien ausgrenzen oder unterdrücken.

An öffentlichen Orten, wo Menschen verschiedenster Konfessionen aufeinander treffen ist es eine Möglichkeit, Konfliktpotential oder Potential für Ausgrenzung einzelner Individuen zu minimieren, wenn verboten wird, dass Symbole der Religionszugehörigkeit offen getragen werden. Es wird keine freie Entscheidung eingeschränkt, sondern die Auswirkungen einer Vorschrift begrenzt. Wer sein Leben lang der Vorschrift gehorchte, dass er/sie ein Kopftuch zu tragen hat oder eine bestimmte Frisur, der wird nicht direkt sehen, dass es sich um einen auferlegten Zwang handelt, solange der Großteil seines Umfelds den selben Konventionen folgt. Gerät diese Konvention nun durch ein Verbot oder etwas ähnliches ins Kreuzfeuer, wird vielen erst auffallen, dass sie sich im Grunde einer weiteren Vorschrift beugen, die ihnen auferlegt wurde – ohne dass sie selbst dazu Stellung nehmen konnten.

Um zum Konfliktpotential zurück zu kommen: Würde man an staatlichen Schulen jedem einräumen, Symbole seiner Religionszugehörigkeit offen zu tragen, so würde dies anzeigen , wer auf Seiten der etablierten Glaubensrichtung steht und wer sich nicht den Vorschriften und Normen der jeweiligen Religion beugt. Nehmen wir an, dass die Hauptreligion der Bevölkerung dieses Staates eine Religion ist, die minutiös vorschreibt, wie ein Mensch zu sein hat, sowie seinen Anhängern eindeutige Instruktionen gibt, wie mit Ungläubigen zu verfahren ist – Missionierung, Gewalt, Folter, was immer an dieser Stelle vorstellbar ist -, so ist es nicht eine Option, sondern gar ein Imperativ, diese Möglichkeit der offensichtlichen Unterscheidung wegzunehmen.

So wie jeder zustimmen mag, dass es nicht rechtens ist, Menschen zu zwingen, ein Zeichen zu tragen, dass ihre sexuelle Orientierung offensichtlich kenntlich macht, so sollte jeder zustimmen, dass die Abwesenheit solcher Zeichen in einem Umfeld, wo Zeichen Alltag sind, den selben Effekt hat wie ein auffälliges Zeichen, das den Umstand kenntlich macht, dass diese Person nicht „zu uns“ gehört. Für einen Staat, der sich selbst als säkular bezeichnet, sollte es Imperativ sein, diese Zeichen aus seinen öffentlichen Gebäuden zu entfernen, schon alleine, um eine Barriere unter den Einwohnern des Landes abzumildern. Ebenso sollten in öffentlichen Gebäuden den Angestellten nicht gestattet sein, offensichtlich als Angehörige einer bestimmten Religion aufzutreten, denn immerhin vertreten sie den Staat als Institution, die sich um seine Bürger kümmert und kümmern soll, die nicht unterscheiden soll, wer welchem Glauben frönt, sondern wertneutral jeden Bürger behandeln soll wie den anderen. Wie soll sich auch ein Einwanderer integrieren, wenn jeder an seinem Arbeits-/Ausbildungsplatz ein Kopftuch trägt – entsprechend einem Dekret seiner Religion -, wenn seine Religion wiederum sagt, dass er auf gar keinen Fall ein Kopftuch tragen darf, sich aber anmalen und frisieren muss wie ein Wiedehopf?

Mein Fazit soll sein: Auch wenn es sich um ein Verbot handelt, dass oberflächlich das Recht auf freie Meinungsäußerung einzuschränken scheint, so geht es darum, Barrieren abzubauen, die eine generelle Erlaubnis zulassen würde.

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