Überlebensinstinkt, Überleben stinkt

ImageSchreiben wir zur Abwechslung doch mal über etwas anderes als sonst. Nehmen wir die Erderwärmung. Nachdem heute morgen Heise (warum eigentlich Heise?) damit titelte, dass wir die höchsten CO² Werte in den letzten 650.000 Jahren erreicht haben und aufgrund widriger Einflüsse auch die pessimistischsten Schätzungen übertreffen werden, weil das erst mal so weiter geht, dachte ich mir, dass es sich um ein solch weites Feld handelt, dass ich selbst auch ein paar Worte dazu los werden könnte.

Ich verstehe die ganzen Taktiken nicht, mit denen momentan Augenwischerei betrieben wird. Mal ehrlich, ein Mensch, der seine geistigen Kapazitäten bei einander hat, sollte wissen, dass es keine Lösung gibt außer einem kompletten Emissionsstopp. Und einen kompletten Emissionsstopp wird es nicht geben. Warum? Zum einen hängt eine Menge Geld darin, dass CO² verblasen wird, zum anderen wären Bequemlichkeit und Luxus der Menschen bedroht. Und der Mensch von heute jagt nun einmal lieber den Planeten in die Luft, als zum ALDI um die Ecke zu laufen.
Lieber führt man sich und die Anderen hinter’s Licht, indem man sich Dinge wie Elektroautos schönredet und Bio-Sprit, von dem alle so begeistert sind. Warum davon alle so begeistert sind? Natürlich wegen der Bequemlichkeit: Man muss nichts ändern, hat selbst (in der Regel) fast keinen Einfluss darauf und kann sich zurücklehnen und abwarten, bis die Tankstellen Bio-Sprit anbieten. Dann kauft man eben diesen und erfreut sich an sich selbst, weil man so aufopferungsvoll die Erde gerettet hat. Klar, dass dieser Ansatz nicht funktioniert. Und dass Bio-Sprit in der Ökobilanz nicht neutral sein kann, das sollte doch ein dreijähriger begreifen. Wie ging das Argument doch gleich? Da der Sprit aus Pflanzen hergestellt wird, die sowieso CO² freigeben würden, wenn sie sterben, ist es neutral, wenn wir sie verbrennen, Ökobilanztechnisch. Das vorher Platz gerodet wird, um dort Pflanzen für Bio-Sprit anzubauen, das fiel erst einmal keinem auf. Dann kamen schlauere Leute auf die Idee: Moment, wenn wir erst einen Wald abbrennen, um dann dort etwas anderes anzupflanzen, heißt das nicht, dass wir CO² in die Luft jagen, um Pflanzen anzubauen, die wir dann als CO² in die Luft jagen? Richtig. Bevor wir anfangen können, Bio-Sprit zu machen, hauen wir also erst einmal ein paar Tonnen CO² raus. Und damit nicht genug, denn der Zyklus in dem CO² frei wird ist ja auch nicht gänzlich natürlich. Zwar ist die Idee, dass die Pflanzen genau so viel CO² freisetzen würden, wären sie auf natürliche Weise dort gewachsen und vergangen, an sich nicht falsch, dass jedoch der leben-sterben-leben-Zyklus wesentlich beschleunigt wird, um immer genug in Sprit verwandeln zu können, wird nicht bedacht. Außerdem ist es ja ein Unterschied, ob man Bäume für 100 Jahre am selben Platz stehen hat oder „Bio-Sprit-fähige-Pflanzen“ die drei Mal im Jahr abgeerntet, raffiniert und verbrannt werden.
Jedenfalls ist es nun ja so, dass je wärmer es wird mehr Eis schmilzt, in dem wiederum mehr CO² eingelagert ist, das es wärmer macht, wodurch mehr Eis schmilzt… erfreuliche Aussichten eben. Und worüber machen sich die Herren und Damen Gedanken? Saubere Kraftwerke, saubere Autos. Dabei könnte man doch im Kleinen anfangen und dabei sogar die Bequemlichkeit der meisten Menschen ungefährdet lassen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn wir ein Gesetz erlassen würden, dass es verbietet, nach 22 Uhr Geschäftsbeleuchtungen anzulassen, wenn dieses Geschäft nicht offen ist. Die riesigen Neonreklamen würden natürlich ebenso darunter fallen. Nicht nur, dass dadurch Strom gespart würde, nein, man könnte auch mal wieder in der Stadt sein ohne dass der Himmel leuchtet als graue bereits der nächste Morgen! Und die riesigen Lebensmittelketten, die sich beschweren, dass sie weniger Gewinn machen, könnten einfach mal unnötige Ausgaben einsparen, statt Personal zu entlassen oder auszulagern. Was ist denn überhaupt die geschäftsfördernde Wirkung dieser beleuchteten Werbung und beleuchteten Geschäftsnamen? Ich glaube nicht, dass sie um ein Uhr in der Nacht Kunden in den Laden lockt oder Neukunden anwirbt.
Dann könnte man die Stromerzeugung an sich dezentralisieren, so dass z.B. Wohnhäuser nur noch Strom zukaufen statt allen Strom zu kaufen, wobei daheim Strom durch Solarzellen, kleine Windräder auf dem Dach oder einfach Trainingsgeräte im Haushalt erzeugt werden könnten. Vielleicht würde das nebenbei auch das Problem mit den übergewichtigen Kindern lösen, wenn diese 2h am Tag beim Gewichtheben oder „Fahrrad fahren“ Strom für die Hausbatterie erzeugen müssten.  Wenn man hierfür nun effiziente Mittel zur Stromgewinnung aus „Humanenergie“ hätte, dann könnte man vielleicht mit etwas mehr Berechtigung behaupten, dass ein elektrisch angetriebenes Auto wirklich gut für die Umwelt sei. Solange der Strom für das Auto aus der Steckdose kommt, dessen Strom aus dem Kohlekraftwerk um die Ecke kommt, legt man sich sonst nämlich nur selbst herein. Augenwischerei eben. Und an diesem Punkt haben wir noch gar nicht darüber nachgedacht, wie denn die Batterien in diesen E-Autos hergestellt werden und ob das umweltfreundlich ist. Natürlich redet auch hier niemand so gerne drüber. Wir brauchen ja auch gar nicht so weit zu gehen, dass wir die Akkus betrachten. Denken wir alleine an all den Stahl und den Gummi und das Plastik und die Aluminiumlegierungen und alles, was man in einem Auto antrifft.
Momentan ist es jedoch erst einmal so: der Automarkt nimmt wieder zu, der Durchschnittsbürger auch, wir brauchen mehr Strom und mehr Autos und mehr Fabriken und dabei wollen wir weniger von dem produzieren, was den gemeinsamen Nenner als unserer „Fortschritte“ darstellt. Augenwischerei. Besser wäre, jemand würde eine Erfindung machen, die es uns gestattet, das CO² aus der Luft zu filtern und in einem großen, schwarzen Block zu speichern, den wir dann – verantwortungsvoll und vorausschauend wie wir sind – im Meer versenken. Oder wir nehmen den Kohlenstoff und bauen daraus neue Autos, während wir den Sauerstoff wieder in die Atmosphäre blasen. Solange wir das nicht auf die Reihe bekommen, ist unsere Technik auch gar nichts wert, denn was nützt es uns schon wenn wir in 10 Jahren braten, ersticken, von umfallenden Bäumen erschlagen oder übertretenden Flüssen ersäuft werden? Immerhin ist dann keiner mehr da, den es interessiert. Wenigstens gründlich gelöst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.