Internetsucht

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http://www.mathematik.uni-kassel.de/~labus/stk/projekt/Suliman_Ahmad/internetsucht.jpgDa halte ich heute mal den Hochschulanzeiger der Frankfurter Allgemeinen in der Hand (natürlich lese ich ihn auch, es soll ja nichts verschwendet werden), und der Artikel, der mich zum Überlegen bringt, beschäftigt sich mit dem Thema, das konservativen Kreisen den Schlaf raubt und die Gesundheit der deutschen Jugend bedroht: Internetsucht.

 

Natürlich wollte keiner mit dem Autoren reden und sich als Internetsüchtiger outen. Wer weiß auch schon so genau, ob es sie gibt, die Internetsüchtigen? Und ist Internet eine harte oder eine weiche Droge? Eine weiche Einstiegsdroge oder der direkte Weg in den Untergang?
Nun, versuchen wir doch einmal gemeinsam, dieser Sache nachzugehen. Wenn Internet eine Droge ist, so hat sie individuelles Abhängigkeitspotential. Warum? Nun, es gibt Menschen, die das Internet intensiv nutzen, indem sie sich in soziale Netzwerke, Blogs und Unterhaltungsangebote stürzen, als gäbe es kein Morgen. Zu diesen Nutzern würden m.E. auch die zählen, die keinen Fernseher oder Radio mehr im Haushalt haben, weil diese Funktionen vom PC mit Internetanschluss komplett übernommen werden. Wer zum Beispiel gerne verschiedene Internetradios anhört, welche auch nebenher bei theoretisch vom Internet unabhängigen Tätigkeiten laufen, ist dieser bereits zeitlich betrachtet ein starker Konsument. Seitdem Flatrates üblich geworden sind, ist eine Internetnutzung, die auf einer Zeitachse betrachtet wird, sowieso kein Indikator mehr, da jeder der Flatrate-Besitzer solange der PC läuft mit dem Internet verbunden ist.

Wenn uns aber die zeitliche Dimension nichts darüber sagen kann, ob der Konsument bereits abhängig ist oder nicht, welche Dimension kann es dann? Ich würde hier vorschlagen, eine quantitative Dimension zu nehmen, wie oft nutzen sie einen bestimmten Service pro Tag (größere Zeitspannen werden mehr und mehr obsolet, zumindest das E-Mail Fach wird von den meisten Menschen heutzutage ein- oder gar mehrmals täglich geprüft, E-Mail ist als ein Service im Internet anzusehen) als Frage bzw. Indikator. Und wie oft ist zu viel? Hier müsste nun erst einmal ein Durchschnitt erarbeitet werden, also wie oft würden wir in einer Welt ohne Internet mit Freunden und Bekannten interagieren, sei es telefonisch oder bei einem persönlichen Gespräch/Treffen. Wenn nun der Facebook-Besuch im 15min-Takt stattfindet, entweder von der apokalyptischen Vorstellung getrieben, im erweiterten Freundeskreis etwas zu verpassen (denn der klassische Freundeskreis würde gar nicht genug Input bieten, so dass die meisten Nutzer Freundeskreise im dreistelligen Bereich akquirieren, nicht notwendigerweise ist man sich wirklich bekannt), könnte man dies zum Beispiel schon als Indikator für kompulsives Verhalten werten, denn die wenigsten Menschen würden auf anderen Kanälen alle 15min nach allen ihren „Freunden“ schauen. Aktivität und die Frequenz dieser Aktivität sind bedeutend und als einzige aussagekräftig, wenn es um den Nachweis von Internetsucht gehen soll.

Entzugserscheinungen sind ein weiterer Indikator. Bekommt man Schweißausbrüche und nervöse Zuckungen, sobald man 30 Minuten vom Internet getrennt verbringen muss, kann man sagen, dass etwas nicht stimmt. Diese Feststellung ist natürlich von meiner Seite aus arbiträr, es geht mir darum, kleine Zeiteinheiten bei der erzwungenen Internettrennung zu nehmen, denn nach einem Tag zum Beispiel würde ich es nicht als Suchtverhalten empfinden, wenn sich jemand darüber ärgert, nicht ins Internet zu können. Und ob nach einem Tag von Sucht gesprochen werden muss oder von einer Abhängigkeit, ist auch wieder diskussionsbedürftig. Dass wir alle in mehr oder minder großem Maße vom Internet abhängig geworden sind, ist nicht zu leugnen. Diese Abhängigkeit basiert aber nicht auf einer Sucht, in dem wir um des Konsums willen konsumieren (Rauchen zum Beispiel macht abhängig, so dass man um des Konsums willen oder der als positiv empfundenen Gefühle beim Rauchen raucht), sondern der Schnelligkeit, der Direktheit des Internets. Warum im Schrank die Gelben Seiten heraussuchen, wenn man doch auf die Internetpräsenz kann – die obendrein aktueller ist, oder zumindest das Gefühl der Aktualität vermittelt. Ebenso wie die Abhängigkeit von mobilen Telefonen gestiegen ist – wie haben sich eigentlich früher Menschen verabredet und auch noch gefunden? -, so ist auch die Abhängigkeit vom Internet aufgrund der Simplizität und bereits erwähnter Direktheit gestiegen.
Routen vor dem Treffen heraussuchen, Abendprogramme absprechen, Hintergrundinformationen zu einem Event besorgen, Freunde ein- oder ausladen und weitere Tätigkeiten können alle über ein und dasselbe Browserfenster, maximal noch in mehreren Tabs, weitgehend parallel erledigt werden.
Was noch hinzu kommt: Durch die ständige und weitgehend flächendeckende Verbreitung des Internet ist es nicht mehr notwendig, die Informationen, die man benötigt, auf anderen Wegen zu sammeln. Viele verfluchen das, gehen doch manche Kunden nur noch zu Amazon und manche Studenten nicht mehr in die Bibliothek. Weil die konventionellen Wege und Ansichten so schnell überrollt werden, dass viele Menschen nicht mitkommen. Dabei steckt grade auch hierin die Chance zur Optimierung. Versandwege und Kosten fallen weg, die Zeit zwischen Schreiben und Veröffentlichen wird zur Nullfolge. Und alle Beteiligten werden eben abhängiger. Aber kann man eine Abhängigkeit so einfach zur Sucht erklären? Wie viele Leute kennen sie, die ohne ihr Internet nach wenigen Minuten/Stunden schon hilflos sind und nichts anderes zu tun wissen, depressiv oder gereizt werden? Und inwieweit weicht das von dem Verhalten von Menschen ab, die nicht zu Arbeit oder Verabredungen kommen, weil die Busse heute nicht fahren? Sind wir eine Nation von Bussüchtigen? Arbeitssüchtigen? Sind wir süchtig nach zwischenmenschlichen Kontakten oder wieso können wir ohne diese nicht leben? Und wieso spricht man von einer Sucht bei der Nutzung eines Mediums, das mehr und mehr unsere grundlegenden Bedürfnisse abdeckt? Tab eins: Flirt, Tab zwei: aktuelle Nachrichten, Tab drei: studentische Freunde, Tab vier: Freunde und Bekannte außerhalb des Campus, Tab fünf: die Vorlesung von heute Mittag, Tab sechs: … Wenn sich mehr und mehr deines Lebens im Internet abspielt bzw. über das Internet organisiert und abgesprochen wird, bist du dann süchtig nach dem Internet oder deinem Leben? Eine Sucht bezieht sich doch nicht auf ein Medium, der Heroinsüchtige zum Beispiel will ja nicht die Nadel, sondern den Stoff, den er mittels der Nadel injiziert. Wenn überhaupt kann also nur von einer Sucht nach den Inhalten des Internets die Rede sein, da die Inhalte aber weite Spektren abdecken, nach was ist der Internetsüchtige dann süchtig?

Zum Schluss möchte ich folgendes noch los werden: Der Mensch kann nach allem süchtig werden, Essen, Trinken, Sex, Gummibärchen, Schokolade… und was dafür sorgt, dass dies eintritt oder auch nicht ist in den meisten Fällen eine Erziehung, die dafür sorgt, dass wir einen eigenverantwortlichen und verantwortlichen Umgang mit diesen Dingen lernen (ich nehme hier wiederum Substanzen aus, die eine körperliche Abhängigkeit erzeugen, wie Alkohol oder Nikotin etwa, auch das Wissen um einen guten Umgang mit diesen Substanzen kann nicht davor retten, dass man körperlich abhängig werden kann), so dass wir der psychischen Abhängigkeit bewaffnet entgegen treten können. Solange man seinen Kindern, Freunden und Bekannten die Grenzen vermitteln kann – und glauben sie mir, Menschen lassen sich unter keinen Umständen davon abhalten, ihre Vorstellungen zu diesen Grenzen und dem Ausmaß des Konsums ihres Gegenübers mitzuteilen -, sollte auch ein Umgang mit dem Internet nur wenige Internetsüchtige produzieren. Ich sage wenige, denn egal, was man tut, es wird immer wieder Personen geben, die Dinge konsumieren, die sie nicht konsumieren sollten und das in einem Ausmaß, von dem ihnen jeder abrät. Vom 300kg-Menschen, der nicht von den Puddings lassen kann bis zum sozial isolierten Menschen, der seine Kontakte nur virtuell kennt und kennenlernt und eine ausgewachsene Sozialphobie kultiviert ist in diesem Spektrum alles möglich.
Doch eine Internetsucht an die Wand zu malen, nur weil die Abhängigkeit vom besagten Medium stark gestiegen ist und weiter steigen wird, ist Unsinn.

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